CAPOEIRA REGIONAL

MESTRE BIMBA

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Die Capoeira Regional ist im vergleich zur capoeira Angola der jüngere Stil.

Das Spiel selbst beinhaltet hohe und direkte Tritte sowie zahlreiche akrobatische Einlagen (Floreos).

Erlaubt ist auch das Einwirken auf den Körper des anderen Spielers. Mit Tritten und Schlägen, wobei letztere eher selten praktiziert werden, dürfen Treffer erzielt werden. Ebenso darf der Partner umgeworfen werden, was durch entsprechende Techniken wie etwa Fußfegern oder Stöße vollführt wird. Die Absicht den anderen Spielern stark zu beeinträchtigen oder gar zu verletzen ist aber grundsätzlich in nahezu allen Capoeira Verbänden und Vereinen nicht erwünscht.

Manuel dos Reis Machado, auch bekannt als Mestre Bimba, war ursprünglich selbst ein Angoleiro (ein Capoeirista der Angola praktiziert). Zu seiner aktiven Zeit als junger Mann entwickelte sich bei ihm eine ablehnende Haltung gegenüber der damaligen Capoeira, bzw. zu dem Bild, das die Öffentlichkeit von Capoeira hatte. Vielen war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur bekannt als verbotene Straßenkampftechnik der damaligen Großstadtbanden. Bimba wollte aber daraus eine moderne, anerkannte Kampfkunst entwickeln und konzentrierte sich darauf, Capoeira weiterzuentwickeln. Er bereicherte es durch Elemente des Jiu Jitsu und Batuque und entwarf systematische Methoden, die Praktiken zu unterrichten. Bis dahin lernten die Capoeiristas nur auf der Straße. Seit den 1930er Jahren konnten sie nun in Bimbas Akademie in Salvador da Bahia Luta Regional Baiana erlernen; "das regionale Spiel von Bahia". 1937 wurde das Verbot durch den nationalistischen Diktator Getúlio Dornelles Vargas aufgehoben, nachdem er eine Vorführung von Mestre Bimba und seinen Schülern gesehen hatte. Er beabsichtigte Capoeira als nationalen Sport zu etablieren.

In den Folgejahren und -jahrzehnten wurden die Unterschiede zwischen Luta Regional Baiana und der ursprünglichen Capoeira immer deutlicher und gewichtiger, so dass man sie alsbald in "Regional" und "Angola" unterteilte. Auch optisch unterscheiden sich die Capoeiristas beider Stile. Die Regional-Spieler erkennt man an den weißen Hosen und Hemden, sowie den farbigen Kordeln (Cordas) und ihren nackten Füßen; manchmal auch nackten Oberkörpern. Die Angoleiros hingegen weisen meist schwarze Hosen und gelbe oder weißen Hemden auf und tragen häufig Gürtel und Schuhe, haben aber keine einheitliche Kleiderordnung, so dass manche auch mit Anzug und Hut Capoeira Angola spielen.

Die Popularität von Capoeira wuchs seit der Legalisierung stetig weiter. Zu den armen Schwarzen, die mit der Ausübung beider Stile begonnen hatten, gesellten sich bald schon arme weiße Brasilianer, dann auch die vermögenden Brasilianer, zuletzt die Mädchen und Frauen. Von Brasilien aus begann ab den 1970er Jahren die zunehmende Verbreitung über den Globus, verstärkt seit den 1990ern. Heutzutage ist die Capoeira Regional eine Trendsportart, welche sich überall auf der Welt, nicht zuletzt im deutschsprachigen Raum, einer wachsenden Beliebtheit erfreut

Mestre Bimba

Manuel dos Reis Machado

(23.10.1899 - 05.02.1974)

Er begann mit etwa 12 Jahren, bei dem Afrikaner Bentinho zu trainieren, mit 18 Jahren unterrichtete er bereits selbst. Doch er entwickelte die traditionelle Capoeira Angola weiter, verband sie mit anderen Elementen und strukturierte sein Training auf eine Weise, die bisher unter den Capoeiristas unbekannt war.

Getúlio Vargas übernahm 1930 die Macht in Brasilien. Zu dieser Zeit war die Capoeira noch verboten und wurde teils hart bestraft.

Trotzdem eröffnete Mestre Bimba 1937 in Salvador die erste Capoeiraschule Brasiliens. Dort unterrichtete er seine modifizierte Capoeira und gab ihr den Namen „Luta Regional Baiana“ (Regionaler Kampf aus Bahia). Er nahm mit seinen Schülern an öffentlichen Kämpfen und Vorführungen teil, um die Capoeira bekannter zu machen und für mehr Akzeptanz zu sorgen.

Sogar vor dem damaligen Präsidenten Brasiliens, Getúlio Dornelles Vargas, durfte er seinen Sport zeigen. Dieser war begeistert und sorgte später dafür, dass das Verbot der Capoeira aufgehoben wurde. Bimba lehrte seine Luta Regional Baiana, später als Capoeira Regional bekannt, und galt zu seiner Zeit als unbesiegbar.

Mestre Bimba trug auch den Beinamen três pancadas („drei Schläge“). Er führte als erster methodisches Training ein. Hierzu gehörten Übungen wie Seqüências, Cinturas und Desprezadas/Balãos. Außerdem schuf er ein Graduierungssystem und spezielle Kurse für seine fortgeschrittenen Schüler.

Es folgte eine Zeit der intensiven Capoeira-Ausübung mit Vorführungen und Kämpfen in ganz Brasilien vor großem Publikum. Dabei kam der Meister auch nach Goiania, wo er sich so wohl fühlte, dass er samt Familie dorthin zog. Ihm wurden viele Angebote und Versprechungen gemacht, die jedoch oft nicht eingehalten wurden, sodass er kein leichtes Leben in Goiania hatte. Nur ein Jahr nach seinem Umzug starb er an einem Schlaganfall. Sein Leichnam wurde Jahre später zurück in seine Heimatstadt Salvador gebracht.

Die neun Regeln des Mestre Bimba

  1. Das Rauchen während des Trainings ist verboten.

  2. Nicht trinken. Alkohol hemmt den Metabolismus der Muskulatur.

  3. Versuche nicht, deine Freunde mit Capoeira außerhalb der Roda zu beeindrucken. Denke immer daran, dass dein bester Freund in einem Kampf die Überraschung ist.

  4. Sprich nicht beim Training. Nutze die Zeit, um die anderen zu beobachten.

  5. Arbeite immer mit der Ginga.

  6. Trainiere täglich die Grundübungen.

  7. Habe keine Angst, nahe an den Gegner heranzukommen. Bei engerem Spiel lernt man mehr.

  8. Beseitige jede unnötige Spannung im Körper.

  9. Es ist besser, in der Roda geschlagen zu werden als auf der Straße.